Von Mast zu Mast – Freileitungsbau in der Praxis beim Prignitzer Kleinbahnmuseum e.V.

Die Beschäftigung mit historischer Fernmeldetechnik beeinhaltet nicht nur alte Telefone und Bahnhofsuhren, auch in der Leitungstechnik gibt es Historisches zu ergründen. Augenfälliges Symbol alter Nachrichtentechnik sind die Freileitungen oder Telegraphenleitungen, wie sie der Volksmund nennt. Dabei dienten diese Leitungen, die früher allgegenwärtiger Begleiter der Bahnstrecken waren, keinesfalls nur der Telegrafie. Telefonverbindungen, Fernschreiber, Uhrenlinien aber auch Steuerleitungen und Verbindungen für den Streckenblock wurden als Freileitungen zwischen den Betriebsstellen einer Bahnstrecke gebaut. Je nach der Bedeutung der Strecke und damit der notwendigen Anzahl von Verbindungen waren die Gestänge der Freileitungen unterschiedlich ausgebaut.

Die theoretischen Grundlagen der Freileitung habe ich noch 1987/88 in der Berufsschule gelernt, allerdings hatte ich in der Praxis damals keine Berührungspunkte mehr mit dieser Technik. Innerhalb von Berlin gab es in dieser Zeit schon keine Freileitungsstrecken mehr, jedenfalls nicht im Instandhaltungsbereich, in dem ich als Lehrling eingesetzt war. Auf der Strecke Richtung Osten (Küstrin/Kietz) endeten die Freileitungen kurz vor Strausberg und für diesen Teil der Strecke war eine andere SFm (Signal- und Fernmeldemeisterei) zuständig.

Auszug Berufsschulhefter2

 Heute sind Freileitungen an den Bahnstrecken der DB eher eine Ausnahme und die letzten ihrer Art werden auch in wenigen Jahren der Modernisierung des Bahnnetzes weichen müssen. Dafür wurde das Thema Freileitung in den letzten Jahren von einigen Museumsbahnen aufgegriffen und es wurden sowohl alte Linien instandgesetzt und vor dem Verfall bewahrt als auch neue Freileitungslinien an alter Stelle wieder neu errichtet. Ich möchte hier nur als Beispiele Schmalspurbahnen in Sachsen nennen, wie die Preßnitztalbahn und die Zittau-Oybin-Johnsdorfer Eisenbahn aber auch den Rasenden Roland (Strecke Pustbus – Göhren) auf der Insel Rügen. Entweder sind alte Anlagen noch vorhanden oder es wurden die Freileitungen zumindest an fotogenen Stellen neu errichtet. Anerkennenswert ist das besonders für die Bahnen, die im ÖPNV tätig sind, da die Freileitung heute an sich keine technische Funktion mehr haben muß, und eigentlich im Sinne des ÖPNV wirtschaftlich und technisch nicht unbedingt nötig wäre.

Auch bei der Prignitzer Museumseisenbahn Pollo läuft ein Projekt, die alten Freileitungen entlang der Strecke auf bestimmten Streckenabschnitten wieder zu errichten. Um ein solches Projekt ausführen zu können, muß auch altes Fachwissen zum Bau und zur Unterhaltung der Freileitungen bewahrt und ggf. wieder neu erlernt werden. Eine gute Grundlage dafür sind die alte Dienstvorschrift  DV860 -Freileitungsbau- der Deutschen Reichsbahn von 1942 sowie alte Lehrbücher zum Thema, die heutzutage nur noch antiquarisch zu beschaffen sind. Aber die Theorie ist bekanntlich nur eine Seite.

Zu Pfingsten 2015 hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, selbst praktische Erfahrungen beim Bau von Freileitungsanlagen zu sammeln und sozusagen noch einen kleinen Teil meiner praktischen Lehrausbildung von 1988 nachzuholen. Beim Pollo sollten wieder einmal eine Anzahl Stützpunkte gesetzt werden und ich schloss mich dem Fernmelde-Bautrupp sozusagen als Praktikant an.

Zunächst waren die Holzmaste vorzubereiten. Die Stangen sind vom Werk aus zwar dauerimprägniert; dennoch bekommt der Bereich, der später in die Erde kommen soll, einen zusätzlichen Schutzanstrich aus Bitumen. Das verlängert die Haltbarkeit in diesem Bereich beträchtlich.

 Mastfuß streichen

Anschließend wurden die Hakenstützen mit den Isolatoren montiert. Dazu kam die Bohrmaschine mit einem kräftigen Holzbohrer zum Einsatz und die zuvor auf Vorrat aufgearbeiteten Stützen wurden ins Holz eingeschraubt und ausgerichtet.

Stützen schrauben1

Das Bild der Stützpunkte soll dem entsprechen, wie es auf alten Fotos bis 1969 zu sehen war. Für eine Schmalspurbahn genügten damals wenige Verbindungen, deshalb haben die Stangen nur 3 einzelne Isolatoren und es wurden hier keine Querträger verbaut.

Stützen schrauben2

Nachdem eine Anzahl Stangen auf dem Lagerplatz vorbereitet worden war, folgte als nächster Schritt die Verladung auf den Arbeitszug. Die Stangen wurden auf einen Rollwagen verladen, der zuvor mit hölzernen Böcken zur Lagerung ausgerüstet worden war. Dabei ist die Technologie der Verladung ähnlich der, wie sie manchmal noch heute zum Beispiel bei der Waldbahn in Rumänien angewandt wird, um Baumstämme per Hand zu verladen. Grundprinzip: eine schräge Rampe aus alten Stangen errichten und die Ladung die Schräge hinauf auf den Wagen rollen. Funktioniert mit 2…3 Mann und überschaubarem Kraftaufwand ganz ohne maschinelle Hilfe.

Verladung Stangen

Nach der obligatorischen Ladungssicherung wurden Werkzeuge und Geräte in den geschlossenen Güterwagen verladen, unter anderem Spaten, Schaufeln, Hacken, Seile und ein Erdbohrer. Danach ging es in den Zugpausen mit dem Arbeitszug auf die Strecke zur Baustelle.

Da die Dampflok 99 4633 zu Pfingsten beim Pollo zu Gast war, wurde der Arbeitszug zeitweise mit der Dampflok bespannt gefahren, ansonsten kamen die beiden Dieselloks V10 und die Ns3 zum Einsatz.

Arbeitszug Dampflok

 Früher wurden die Löcher für die Stangen überwiegend per Hand gegraben. Soweit es möglich war, kam in der heutigen Zeit beim Pollo zu diesem Zweck jedoch ein Erdbohrer mit Motorantrieb zum Einsatz. Mit diesem Gerät konnten wir bei günstiger Beschaffenheit des Untergrundes mit 4 Mann in wenigen Minuten ein passendes Loch von etwas mehr als 1m Tiefe bohren.

Für die Feinarbeit und bei schwierigem Untergrund leistete dennoch der klassische Handbagger mit 2 langen Stielen wertvolle Unterstützung.

 Erdbohrer1

 Die Arbeiten wurden zeitweise von interessiertem Publikum aufmerksam verfolgt. So etwas sieht man heutzutage eher selten und es gab interessante Foto- und Filmmotive festzuhalten.

Erdbohrer2

In weiteren Verlauf der Arbeiten wurde eine starke Bohle ins fertige Loch herabgelassen und anschließend konnte der Mast aufgestellt werden. Dazu wurde der Mast zunächst gegenüber der Wagenachse um 90° gedreht und der Mastfuß gegen die Bohle im Erdloch abgestützt. Um den Mastzopf wurde noch ein langes Seil geschlungen und die Enden von 2 Kollegen im Winkel von ca. 90° auseinandergezogen. Soweit vorbereitet konnte der Mast mit vereinten Kräften schiebend und ziehend vom Wagen aus aufgerichtet werden und rutschte meistens ziemlich zielgenau an der Bohle hinab in das vorbereitete Erdloch.

Damit alles seine Ordnung hat, war auch die Transportpolizei zeitweise vor Ort und erfüllte ihrem Kontrollauftrag höchst verantwortungsbewußt :-)

Klenzenhof Mast aufrichten

Anschließend wurden die Stangen senkrecht und in der Flucht zueinander gerade ausgerichtet und das Erdloch mit Aushub wieder verfüllt. Zu guter Letzt wurde die eingebrachte Erde gut verdichtet, um einen sicheren Stand zu erreichen.

Ausrichten

Auf diese Weise konnte so in wenigen Tagen eine große Anzahl Stangen gesetzt werden, die bei den Fotofahrten zu Pfingsten schon die Bilder der Fotografen auf der Strecke um ein nettes Detail bereicherten.

 Strecke mit Masten

Für mich war dieser Arbeitseinsatz eine spannende Herausforderung und interessante Erfahrung. Es zeigte sich auch deutlich, welche körperlichen Anstrengungen die Fernmeldebautrupps in früherer Zeit bei Wind und Wetter tagtäglich zu leisten hatten, obendrein standen auch einige der modernen Hilfsmittel der heutigen Zeit damals noch nicht zur Verfügung. [Muskelkater am Abend und trotzdem jede Menge Spaß gab´s inclusive] :-)

Weitere Fortschritte bei diesem Projekt werden unter www.pollo.de und sicherlich auch hier wieder in diesem Blog dokumentiert.

Die Fernmelder zu Besuch in Pasewalk – Besichtigung und Erfahrungsaustausch im Lokschuppen Pomerania e.V. – Eisenbahnerlebniszentrum

Recht spontan ergab sich in der letzten Woche die Möglichkeit, eine kleine Reise zum Lokschuppen Pomerania e.V. – Eisenbahnerlebniszentrum in Pasewalk zu unternehmen. Dieses Eisenbahnmuseum beherbergt neben Loks, Wagen und vielen anderen Exponaten der historischen Eisenbahn auch eine sehr sehenswerte Sammlung historischer Fernmeldetechnik. Diese Sammlung wurde über viele Jahre hinweg von einem engagierten Fachmann und Kenner der Materie, Herrn Reichsbahnrat a.D. Manfred Schaer zusammengetragen.

k-P1070908

Im Gegensatz zu Berlin, wo eine ähnliche historische Sammlung fernmeldetechnischer Geräte durch die „weitblickenden Entscheidungen“ einiger Manager zum größten Teil verschrottet werden mußte, damit ehemalige Bahn-Gebäude schnell „besenrein“ übergeben werden konnten, befindet sich die Pasewalker Sammlung gut präsentiert im Wasserturm des Pasewalker Lokschuppens.

Diesen Lokschuppen erreichten wir nach einer recht entspannten Anreise mit dem RegionalExpress und ca. 15 Minuten Fußweg vom Bahnhof Pasewalk aus.

Sogleich nahm uns das typische Ambiente eines alten Bahnbetriebswerkes mit seinen Ziegelbauten und verwinkelten Gebäuden an und um den Lokschuppen in Besitz. Überall gab es sehenswertes und liebevoll ausgestellte Exponate aus der Welt der Eisenbahn zu sehen, noch bevor wir überhaupt einen Fuß in den Lokschuppen gesetzt hatten.

k-P1080005

Im Büro wurden wir freundlich begrüßt (wir wurden bereits erwartet) und mit einem Übersichtsplan über das Gelände ausgestattet. Als Fachmann vor Ort stand uns Herr Klaus Mertens zur Verfügung. Er ist auch gelernter Fernmelder, daher fühlt er sich besonders den ausgestellten Exponaten der Fernmeldetechnik verpflichtet.

Zunächst gingen wir allein in den Lokschuppen, und verschafften uns einen Überblick über die Ausstellungen und das ganze Areal des Bw Pasewalk. Nach diesen ersten Eindrücken trafen wir dann auf Herrn Mertens, der in der Zwischenzeit an seinem aktuellen Projekt (Gaselan-Stellwerk) gearbeitet hatte. Nach einer kurzen Begrüßung begannen wir auch gleich mit dem nunmehr fachkundig geführten Rundgang. Nicht nur im Wasserturm, auch an vielen anderen Stellen im und um den Lokschuppen fanden wir Einrichtungen der Fernmeldetechnik, die zum größten Teil auch funktionsfähig und zur Benutzung freigegeben waren.k-P1080018

Besonderen Eindruck hinterließ die Sammlung an alten Unterlagen und Schaltungen der Fernmeldetechnik, die im Museum aufbewahrt wird. Sie enthält Dokumente und Schaltpläne, deren Entstehung  bis in die Zeit der königlichen Eisenbahndirektion Stettin zurückreicht. Ein wichtiger Wissensspeicher für alle diejenigen, die sich mit solch historischer Technik beschäftigen.

k-P1080034

Schnell entstand fachkundige Diskussion über die ausgestellten Exponate.

Bei unserem Rundgang konnte Kollege Chr. Rickelt seine einschlägigen Erfahrungen in der Technik der tschechoslovakischen Hauptuhren von Pragotron/Elektročas helfend einsetzen. Mit wenigen Handgriffen gelang es ihm, eine stehen gebliebene Hauptuhr dieses Herstellers in der Ausstellung wieder in Gang zu setzen.

k-P1070977

So hilft man sich gegenseitig, schließlich konnten auch wir schon für unsere Arbeit von der Hilfe des Kollegen Mertens aus Pasewalk profitieren.

Hier einige Bilder aus der Ausstellung:

k-P1070953

k-P1070996

k-P1070943

k-P1080023

k-P1080054

k-P1080047

(Sinnvolles) Spielen ist hier ausdrücklich erlaubt und erwünscht!

k-P1080058

k-P1080063

In einem ausgestellten Zeitungsartikel über den Sammler Herrn Schaer war zu lesen: „Das … (Sammeln, Anm.des Autors) …allein genügt mir nicht. Ich muß in die Technik gucken können!“ Viele Exponate der Ausstellung werden diesem Anspruch gerecht und geben interessante Einblicke in ihr Innenleben preis. So ist diese Ausstellung auch gut geeignet, jüngerem Publikum anschaulich die Funktionsweise der alten Anlagen und phyikalisch-technische Zusammenhänge gut verständlich zu vermitteln. Viele alte Geräte werden nicht nur in Vitrinen gezeigt, sondern man kann selbst ausprobieren, wie z.B. der Kurbelinduktor Strom erzeugt und damit einen Wecker antreibt oder eine Reihe kleiner Glühlampen zum Leuchten bringt.

Das Konzept der Parkeisenbahn Wuhlheide verfolgt einen ähnlichen Ansatz, so konnten wir bei diesem Besuch eine Menge Anregungen für die eigene Arbeit mit auf den Weg nehmen.

Es bleibt die Erinnerung an einen interessanten Ausflug und hilfreichen Erfahrungsaustausch. Nicht zu vergessen der leckere Kuchen und Kaffee, der uns von den sehr netten Mitarbeiterinnen des Vereins zur Stärkung serviert wurde.

Es gibt hier noch viel zu vertiefen, so daß der nächste Besuch wohl in nicht allzu weiter Ferne geplant werden muß.

Neue Spulen für alte Telefone

Alte Telefone und Geräte der Nachrichtentechnik enthielten früher eine Menge an Spulen und Übertragern. Wer solche alten Geräte funktionsfähig erhalten möchte, steht über kurz oder lang vor dem Problem, defekte Spulenwicklungen reparieren oder ersetzen zu müssen. Solange die Wicklung  nur einige hundert Windungen enthält, kann man das freihändig erledigen und dabei mitzählen. Je mehr Windungen aufgebracht werden müssen und je dünner der Lackdraht ist, umso mehr wird diese Handarbeit jedoch zur Geduldsprobe.

Früher gab es in vielen Fernmeldewerkstätten eine maschinelle Wickelvorrichtung, um solche Wicklungen schnell und einfach herzustellen. Heutzutage fällt es zunehmend schwer, jemanden zu finden, der solche Relais- oder Weckerspulen als Einzelstücke zu wickeln bereit ist. Andererseits entstehen dabei Kosten, die in keinem Verhältnis mehr zum technischen Wert der Geräte stehen.

Mittlerweile standen in der Fernmeldewerkstatt in der Wuhlheide 4 alte Fernsprecher zur Reparatur an, bei denen nur Spulenwicklungen defekt waren. Drei OB-Fernsprecher der Parkeisenbahn Halle mussten von der endgültigen Reparatur zurückgestellt werden, weil die Spulen der Wechselstromwecker unbrauchbar geworden waren. Im OB-Befehlsfernsprecher vom Stellwerk Hb der Berliner Parkeisenbahn waren 3 Relaisspulen von Flachrelais der Bauform 48 bei einem Gewitter beschädigt worden, so dass der Apparat auf diesen 3 Leitungen nicht mehr angerufen werden konnte. Aus dieser Situation heraus entstand die Idee, diese Spulenwicklungen in der eigenen Werkstatt zu erneuern. Voraussetzung dazu war natürlich eine Spulenwickelvorrichtung; ich wollte versuchen, diese ohne großen finanziellen Aufwand selbst zu konstruieren.

Wieder einmal wurde im Internet geforscht – Funkamateure und Elektronikbastler haben ja ähnliche Probleme zu lösen – Ideen und Lösungsansätze gesammelt. Nachdem mir 2 ausgediente, aber technisch noch funktionierende Akkuschrauber in die Hände gefallen waren, entstand diese Lösung einer sehr einfachen Spulenwickelvorrichtung unter Verwendung möglichst vieler altbrauchbarer Teile aus der Bastelkiste.

Rohbau
Rohbau

Die Akkuschrauber wurden zunächst ihrer Batteriehalterung entledigt, da diese überflüssig geworden war. Der Torso des Akkuschraubers bringt den Motor, ein robustes Getriebe und eine 6-Kant-Aufnahme für Schrauberbits mit. In die 6-Kant-Aufnahme habe ich ein dafür vorgesehenes Miniatur-Bohrfutter mit entsprechendem Ansatz eingesetzt. Ein zweites preiswertes Schnellspannfutter mit SDS-Aufnahme bildet das Gegenstück.

Die Halterungen für den Akkuschrauber sowie der Schlitten entstanden aus HPL-Platte, zurechtgeschnitten im Baumarkt. Die Grundplatte aus 16 mm MDF-Platte gibt die nötige Stabilität. Der Schlitten fährt auf einem handelsüblichen Schubladenauszug und die Wellen werden in Kugellagern geführt.

130120151919

Für die Einstellung der Motordrehzahl kaufte ich im Internet eine PWM-Steuerung „Made in China“ für knapp 3 EUR und für die Stromversorgung ein einstellbares Steckernetzteil (3; 4; 4,5; 5; 6; 7V/2,5A). In der Steuerung wurde noch ein Kippschalter zur Drehrichtungsumkehr und der Anschluß für einen zuschaltbaren Fußtaster zum bequemen Ein- und Ausschalten verbaut.

130120151920

Im Gegensatz zu den mechanischen Varianten von Zählwerken habe ich eine elektronische Lösung mit berührungsloser Auslösung gewählt. Bei der Fa. CONRAD gibt es einen kleinen elektronischen Zählerbaustein zu kaufen. Als Ansteuerung bewährt sich – nach einem erfolglosen Experiment mit Reedkontakt – eine Lichtschranke. Die IR-LED und Phototransistor sitzen sich in der Halterung des Akkuschraubers und der Welle gegenüber. Auf der Welle zum Bohrfutter rotiert eine Pertinax-Scheibe mit Langloch, so dass die Lichtschranke bei jeder Umdrehung für eine kurze Zeit freigegeben und der Zähler angesteuert wird. Die Form des Langloches in der Scheibe wurde nach einigen Versuchen gefunden, so dass der Zähler bis zur maximalen Umdrehungszahl von 200 min-1 zuverlässig mitzählt. Das Zählermodul fand seinen Platz im Gehäuse eines ausgedienten Funkweckers. Die alten AL(ARM)-Tasten des Weckers bekamen als Reset-Tasten für den Zähler (Nullstellung) noch eine ganz neue Aufgabe. Die Stromversorgung des Zählerbausteins erfolgt aus der Motorspannung 5V über 2 in Reihe geschaltete rote LED (~3V) und einen Goldcap als Puffer. Damit bleibt die erreichte Wicklungszahl auch bei Abschalten der Betriebsspannung noch für einige Minuten sichtbar. Die Spannung für die Beleuchtung des Zählers (9V) wird über einen Step-up-Wandler aus den 5V der Motorsteuerung gewonnen.

Vor der zu wickelnden Spule wurde noch eine seitliche Begrenzung für den Wickelraum vorgesehen. Die blanke glatte Welle mit den Gummirollen, die als verschiebbare Begrenzer dienen, stammt aus der Zerlegung eines alten Druckers. Diese seitlichen Begrenzer sollen verhindern, dass der Spulendraht beim Wickeln nach rechts oder links über den Rand der Spule hinaus läuft.

20150619_001009

Die Lagerung der Vorratsspule entstand ebenfalls aus aus HPL-Platte auf einer MDF-Grundplatte und einer großen Schraube mit nur vorn aufgebrachtem Gewinde. Um die Vorratsspule zu bremsen und dem Kupferdraht eine gewisse Vorspannung zu geben, wird sie mit einer Feder angedrückt, die von einer Flügel- oder Rändelmutter einstellbar vorgespannt wird.

Zwischen den beiden Bohrfuttern können die zu bewickelnden Spulenkörper auf Wellen mit einem Durchmesser bis zu 6 mm eingespannt werden.

290120151979

Die Aufnahmevorrichtung für die Weckerspulen entstand aus einem Stück Gewindestange M5 sowie 2 Karosseriescheiben und 4 Muttern.

Zum Einspannen von Spulenkörpern von Fernmelderelais (Flachrelais 48) wurden 2 spezielle Halterungen aus Pertinax mit 4mm-Zapfen auf beiden Seiten angefertigt. Der Kern des Flachrelais mit dem Spulenkörper wird in den beiden Halterungen mittig eingespannt, so dass er sich um seine Mittelachse dreht.

290120151970

290120151968

Die Drahtführung beim Wickeln erfolgt im Moment noch mit der Hand ohne automatische Führung. Eine automatische Drahtführung mit einstellbarer Begrenzung der Wicklungsbreite könnte ich mir für die Zukunft als Weiterentwicklung der Vorrichtung vorstellen. Dazu fehlt mir im Moment noch die „zündende Idee“.

k2-20150619_000936

k2-20150707_220438

Inzwischen ist die erste Ersatzspule für einen Wechselstromwecker im OB-Apparat mit 30000 Wdg. CuL-Draht 0,05mm gefertigt und diese einfache Spulenwickelvorrichtung hat ihre erste Bewährungsprobe bestanden.

20150707_231625

k2-20150707_231046

Damit ist endlich die Ersatzteilfrage für einfache Wecker- und Relaisspulen geklärt, diese können jetzt in der eigenen Werkstatt neu gewickelt werden.

Ein neuer (alter) OB-Befehlsfernsprecher für die Parkeisenbahn Wuhlheide

Pünktlich zum Dampfspektakel bei der Berliner Parkeisenbahn am 13. und 14. Juni 2015 konnte im Stellwerk Hb der Berliner Parkeisenbahn eine neuer (alter) OB-Befehlsfernsprecher vorläufig in Betrieb genommen werden. Über diese besondere Bauart von OB-Fernsprechern soll hier etwas berichtet werden.

k-12062015063
OB Befehlsfernsprecher: OB SFw Mg neben OB Lipinski & W63a

OB-Befehlsfernsprecher dienten dazu, auf großen Betriebsstellen mit vielen Fernsprechleitungen mehrere OB-Fernsprecher in einem Gerät zu vereinen und damit die Bedienung einfacher und übersichtlicher zu gestalten.
Zitat aus einer zeitgenössischen Fachzeitschrift von 1963: „Da der Fahrdienstleiter (Fdl) zur gleichen Zeit immer nur e i n e n Fernsprecher bedienen kann, lag es nahe, mehrere gleichartige Geräte in einem zweckmäßigen, formschönen Gehäuse zu vereinigen. Begonnen wurde mit der Entwicklung des OB-Befehlsfernsprechers, bei dem bis zu 30 OB-Verbindungen auf einem Gerät enden, das in Pultform auf dem Arbeitstisch Platz findet oder als Platine in den Tisch eingelassen werden kann.“
Das Konzept an sich ist jedoch schon älter. So wurden anfangs OB Fernsprecher vom Typ OB33 mit einem Umschalter (Quante-Schalter) und später mit einem Tastenvorsatz mit 5 Drucktasten ausgerüstet. In den 1950er Jahren wurden für die Deutsche Reichsbahn besondere OB-Befehlsfernsprecher für 10 oder 20 Anschlußleitungen von der Firma Lipinski Fernmeldeanlagen KG in Berlin gebaut. Später übernahm die Deutsche Reichsbahn den Bau dieser Geräte in eigene Werkstätten, ab ca. 1963 wurde vom Signal- und Fernmeldewerk Magdeburg ein selbst entwickelter OB-Befehlsfernsprecher geliefert (Bauart SFw Mg).
Er war schaltungstechnisch gegenüber dem Fernsprecher der Fa. Lipinski stark vereinfacht, indem man die meisten Schaltungsfunktionen mittels Kellogschalter statt über Drucktasten und Fernmelderelais realisierte. Nur als Anrufrelais fanden kleine Rundrelais Verwendung.
Das Tischgerät sah anfangs dem der Geräte der Fa. Lipinski sehr ähnlich, alle Bauteile fanden in diesem Tischgerät Platz und ein separater Relaiskasten wurde entbehrlich. Die Hörergabel und Handapparat entsprechen der Ausführung des W38 und OB53, ebenso der Kurbelinduktor. Später wurden diese Fernsprecher weiterentwickelt und unter anderem die Hörerauflage verändert. Es kamen dann die moderneren Handapparate aus der Produktion des Fernsprechapparates „Variant“ zum Einsatz und statt eines Kurbelinduktors wurde ein elektronischer Rufgenerator eingebaut.
Mit diesem Fernsprecher war es möglich, bis zu 10 (oder 20) OB-Fernsprechleitungen an einem Apparat zusammenzufassen.

k-20150612_192420a
Befehlsfernsprecher Bauart SFw Mg

Der vorliegende OB-Befehlsfernsprecher der Bauart SFw Magdeburg stammt vom Bf. Calbe in Sachsen Anhalt und war dort bis zum Jahr 2014 noch im täglichen Betriebseinsatz auf dem Stellwerk B1. Beim Um- und Rückbau der Stellwerksanlagen auf diesem Bahnhof wurde er, wie viele alte Technik, überflüssig.
Durch Kollegen des Fördervereins der Parkeisenbahn Halle/S. (Peißnitzexpress) konnte der Fernsprecher zunächst vor der Verschrottung bewahrt werden. Für die recht übersichtliche Anlage der Hallenser Parkeisenbahn erschien er dann aber etwas überdimensioniert und so wurde er kurzerhand an die Kollegen der AG Fernmeldetechnik in Berlin abgegeben, auf daß man dort weitere Verwendung für ihn hätte.
Von außen sieht man dem Fernsprecher sein Alter durchaus an, aber er war technisch fast vollständig erhalten und stammt aus der Fertigung dieser Geräte aus den 1960er Jahren (Kurbelinduktor vom OB53, noch kein Rufgenerator eingebaut) .
Nur die vieladrige Anschlußleitung fiel leider dem beherzten Rückbau per Seitenschneider zum Opfer. Aufgrund dieses guten Allgemeinzustandes wurde entschieden, dieses Gerät sogleich zu reparieren und für einen Einsatz in Berlin vorzubereiten.
Für die erneute Inbetriebnahme wurde zunächst die abgeschnittene Anschlußleitung durch ein ausgedientes Datenkabel einer modernen EDV-Anlage ersetzt. Diese Datenleitung aus dem Fundus hat zufällig genau die Anzahl von Adern, die für den Anschluß benötigt werden. Im Fernsprecher wurde die Leitung klassisch mit Wachsschnur zu einem Kabelbaum ausgebunden.

 

k-20150601_174212
Anschlußleitung beim Ausbinden

Die alten Kabelschuhe wurden wiederverwendet und kurzerhand angelötet (original waren sie gepresst).
Die Datenleitung ist mit einem 37-poligen Sub-D-Stecker abgeschlossen. Dieser Stecker wurde bei der Gelegenheit gleich beibehalten, um den Fernsprecher steckbar an die Zuleitungen anzuschließen. Dadurch sind die gleichartigen Befehlsfernsprecher im Störungsfall in Zukunft leicht austauschbar.
Bei der weiteren Inbetriebnahme wurde noch das Innenleben und die Relais- und Schalterkontakte gereinigt sowie einige Anruflampen getauscht bzw. instandgesetzt.

Eine zukünftige Verwendung für dieses Gerät zu finden, war dann auch nicht schwer.
Auf den Stellwerken der BPE ist bereits ein OB-Befehlsfernsprecher der Bauart SFw Mg (spätere Ausführung mit modernerem Hörer) und ein älterer Befehlsfernsprecher der Fa. Lipinski aus den 1950er Jahren im Einsatz. Der Lipinski-Fernsprecher erlitt im vorigen Jahr bei einem Gewitter einen Schaden, dessen Reparatur sich aufwändig gestaltet.

k-20150612_181828_resized
Vorbereitet zum Transport in die Fm-Werkstatt

Hier wird der alte Magdeburger Apparat zunächst als Ersatz aushelfen, bis der Lipinski-Fernsprecher repariert aus der Fernmeldewerkstatt zurückkehrt. Danach wird er im Stw. Badesee den vorhandenen Befehlsfernsprecher ersetzen, der auch dringend eine gründliche Überholung in der Werkstatt benötigt. Ist das erledigt, wird er als Störungsreserve bereitgestellt, damit immer ein funktionierender Fernsprecher dieser Bauart zum Tausch bereitsteht. Außerdem können wir damit zwei verschieden alte Fernsprecher der Bauart SFw Mg im Betrieb vorführen.
Damit kann der OB-Befehlsfernsprecher nun in sein 2. Arbeitsleben bei der Parkeisenbahn Wuhlheide starten und wird hier sicherlich noch lange zur vollen Zufriedenheit der Parkeisenbahner seinen Dienst verrichten.
Vielen Dank an die Kollegen aus Halle/S. für die Sicherstellung und Überlassung dieses Gerätes!

Hochwasserhilfe 2013: Aufarbeitung der Fernmeldeanlagen und der Bohmeyer-Hauptuhr für die Parkeisenbahn Peißnitzexpress Halle (Saale) e.V.

Das Hochwasser der Saale 2013 und seine Folgen

Die Geschichte dieses Projektes beginnt mit einer e-mail unserer Freunde und Kollegen von der Parkeisenbahn Halle (Saale) vom 2. Juni 2013:

„Liebe Freunde der Parkeisenbahn Halle,
am heutigen Morgen mussten die ersten Aktiven im Verein und ich betroffen feststellen, dass wir angesichts der Hochwasserentwicklung nun einmal wieder nur noch Zuschauer am Szenario sind; die Peißnitzinsel ist nicht mehr erreichbar. … Alle für uns relevanten Pegel zeigen kein Sinken; die meisten steigen munter weiter…“

Es war das Schlimmste zu befürchten, und das wurde von der Entwicklung des Hochwassers in den folgenden Tagen leider noch bei weitem übertroffen. Beim höchsten Pegelstand der Saale von 8,10 m waren die Gebäude auf der Peißnitzinsel zum Teil bis zum Dach überflutet.

Alle Maßnahmen im Vorfeld – außer der Evakuierung eines Teils der Fahrzeuge – erwiesen sich als nicht ausreichend gegenüber dieser extremen Überflutung, und die Anlagen der Parkeisenbahn wurden von den Wassermassen schwer beschädigt.

Unter den vielen Anlagen der kleinen Bahn, die seitdem aufwändig wieder instandgesetzt werden mußten, befand sich auch die historische elektromechanische Hauptuhr der Fa. Bohmeyer im Bahnhofsgebäude des Bf. Peißnitzbrücke, die bei diesem Hochwasser zum ersten Mal komplett überflutet wurde.

Nun stellten neben den schlimmen Schäden, die das Hochwasser überall entlang der Saale angerichtet hatte, die Bahnanlagen der Parkeisenbahn und die Uhrenanlage nur einen kleinen Teil der Dinge dar, die nach dem Abzug der Fluten einen bedauernswerten Anblick boten. Allerdings hat genau diese Uhr auch einen regionalen Bezug zur Stadt Halle (Saale).

Die Firma C.Bohmeyer KG Halle – Saale,  bei der diese Uhr Ende der 1930er Jahre gebaut wurde, war lange Zeit in Halle ansässig und stellt damit auch einen kleinen Teil hallescher Industriegeschichte dar. Die Hauptuhr wurde im Dezember 1941 auf dem Bahnhof Teicha an der Bahnstrecke Halle – Vienenburg in Betrieb genommen und gelangte später zur Parkeisenbahn Halle (Saale) auf die Peißnitzinsel. Die Wiederherstellung – gerade auch dieser alten Uhr im Original – lag deshalb den Kollegen der Parkeisenbahn Peißnitzexpress Halle (Saale) e.V.  sehr am Herzen.

Nach dem Abzug des Wassers – viele Hände helfen

Sobald die Wassermassen abgeflossen waren und die Insel wieder erreichbar war, wurden Mitglieder des Fördervereins tätig und begannen mit ersten Arbeiten zur Sicherung und Wiederherstellung der Anlagen. Erst jetzt wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar.

Bei einer ersten Begehung bot sich den Aktiven im Verein u.a. folgendes Bild:

Nach dem Hochwasser (1) [Foto: Förderverein Parkeisenbahn Halle (Saale)]

Die Arbeitsbedingungen in den ersten Tagen nach dem Hochwasser waren kompliziert. Strom- und Wasserleitungen auf der Peißnitz waren abgestellt. Überall waren Überreste des Hochwassers zu sehen und ein fauliger Geruch lag in der Luft. Immerhin gab es schon nach wenigen Tagen frisches Wasser aus einem Tankwagen zum Händewaschen.

In einer solchen Situation ist das schon ein gewaltiger Fortschritt, und man lernt die Bedeutung solch elementarer Dinge erst wieder richtig einzuschätzen, wenn man so etwas selbst direkt vor Ort erlebt hat.

Neben all den allgemeinen Aufräum-, Entsorgungs- und Reinigungsarbeiten an den Anlagen der Parkeisenbahn wurden auch die elektrisch betriebenen Anlagen der Sicherungs-, Stellwerks- und Fernmeldetechnik begutachtet, trocken gelegt und soweit möglich und sinnvoll zur Reparatur ausgebaut.

Nach dem Hochwasser (2) [Foto: M.Schmidt]

Viele Eisenbahnfreunde fanden sich kurzfristig zur Hilfe ein und am 22. Juni 2013 fuhr auch ich zum Arbeitseinsatz des Fördervereins nach Halle (Saale), um die Aufräumungsarbeiten – insbesondere im Bereich der Fernmeldeanlagen –  zu unterstützen. Alle transportablen Anlagen und Geräte wurden dabei zur weiteren Bearbeitung per Pkw in die Fernmeldewerkstatt bei der Berliner Parkeisenbahn in die Wuhlheide gebracht.

… ob da noch was zu reparieren ist? [Foto: M.Schmidt]

In den folgenden Wochen und Monaten konnten in Berlin zunächst die Telefonanlage, OB- und Wählfernsprecher, Stromversorgungsgeräte und die Lautsprecheranlage vom Bf. Peißnitzbrücke gereinigt, repariert und geprüft werden.

Diese Arbeiten erstreckten sich bis zum Frühjahr 2014. Zum Ende des Monats März 2014 konnte dann ein großer Teil der aufgearbeiteten Technik zurück auf die Peißnitzinsel gebracht, eingebaut und wieder in Betrieb genommen werden. Dabei wurde die gesamte Installation erneuert und Anschlüsse so gestaltet, daß die Geräte bei Gefahr eines erneuten Hochwassers schnell evakuiert werden können.

Fernmeldeanlagen Bf. Peißnitzbrücke (1) [Foto: M.Schmidt]

Für die Steuerung der Uhrenanlage stand nach dem Hochwasser eine elektronische Hauptuhr zur Verfügung. Damit war mit moderner Technik zunächst auch die Funktion der Bahnhofsuhren beim Peißnitzexpress wieder sichergestellt.

Fernmeldeanlagen Bf. Peißnitzbrücke (2) [Foto: M.Schmidt]

Anschließend konnte in aller Ruhe mit der Aufarbeitung der Bohmeyer-Hauptuhr begonnen werden.

Die Reparatur der Pendeluhr

Uhrwerk und elektrischer Teil

Zunächst wurde die Uhr komplett zerlegt, und die aufgefundenen Schäden dokumentiert.

Uhrwerk – Schadaufnahme [Foto: M.Schmidt]

Es stellte sich heraus, daß sich das Uhrwerk in einem relativ guten Zustand befand. Das Ziffernblatt hatte allerdings starke Korrosionsschäden, und die elektrischen Kontakte am Uhrwerk sowie der Aufzugsmotor waren überholungsbedürftig. Das Holzgehäuse war aufgequollen, das Furnier beschädigt und verleimte Verbindungen hatten sich durch das Wasser gelöst.

Die Arbeiten rund um das Uhrwerk konnten durch die Fernmeldewerkstatt in der Wuhlheide in Eigenregie ausgeführt werden. Zunächst wurde der Aufzugsmotor zerlegt und gereinigt. Eine beschädigte Kontaktfeder mußte erneuert werden, dann konnte die Funktion des Motors zunächst allein überprüft werden.

Aufzugsmotor – erster Test [Foto: M.Schmidt]

Da die Uhrenanlage und die Hauptuhr bei der Parkeisenbahn Halle (Saale) mit einer Betriebsspannung von 24 V betrieben werden, die Betriebsspannung des Aufzugsmotors jedoch mit 8-12 V vorgegeben ist, war dem Motor bisher eine große Glühlampe als Vorwiderstand vorgeschaltet. Diese Schaltung war einfach und wirkungsvoll, jedoch wurde der Motor eigentlich mit einer zu hohen Spannung betrieben, wie sich im Probebetrieb in der Werkstatt herausstellte. Um die historische Technik zu schonen, entschied ich mich, im Gehäuse oberhalb des Uhrwerkes unauffällig eine elektronische Spannungsregelung einzufügen. Damit bekommt der Motor unabhängig von der Speisespannung nur 8 V und der Aufzug läuft ruhiger. Außerdem wurde optisch unauffällig eine elektronische Sicherung in den Stromkreis des Aufzugsmotors integriert. Diese soll ein Verschmoren der Motorwicklungen verhindern, falls der Antrieb wegen eines Fehlers in der Mechanik einmal unbeabsichtigt länger als üblich unter Spannung stehen sollte.

Anschließend wurde das Uhrwerk komplett zerlegt, alle Teile gereinigt und alles wieder zusammengebaut.

Uhrwerk beim Zusammenbau [Foto: M.Schmidt]

Auch die Seile des Aufzuges wurden bei dieser Gelegenheit erneuert. Der Hinweis eines Uhrmachers brachte mich auf die Idee, Skalenseile, wie sie in alten Radioempfängern Verwendung finden, dafür zu nutzen. Das ist zwar an dieser Stelle nicht ganz historisch korrekt, es hat allerdings technische Vorteile.

Nachdem auch das Kompensationspendel und sein Holzstab gereinigt und aufgearbeitet waren, konnte das Uhrwerk in der Werkstatt zum Test montiert und in Betrieb genommen werden. Uhrwerk und Aufzug funktionierten auf Anhieb ohne Probleme.

Erster Testlauf des Uhrwerkes [Foto: M.Schmidt]
Gehäuse und Ziffernblatt

Nach der Instandsetzung des Uhrwerkes und des elektrischen Teils der Uhr blieben noch zwei besondere Probleme zu lösen: einerseits die Wiederherstellung des Uhrengehäuses und die Restauration des Ziffernblattes. Für letzteres hatte ich bereits eine Idee, allerdings machte mir das Holzgehäuse zunächst Sorgen! Für die Restauration der Holzteile war ich auf die Hilfe eines Fachmannes für Holzarbeiten angewiesen.

Das Uhrengehäuse nach dem Hochwasser [Foto: M.Schmidt]

Erste Anfragen bei Tischlereien in der Umgebung brachten allerdings ernüchternde Ergebnisse. Zunächst einmal fühlt sich nicht jeder von einem solchen Restaurationsobjekt angeprochen. Eine andere Tischlerei brachte einen kompletten Neubau des Gehäuses ins Spiel, aber der Kostenvoranschlag für die Anfertigung ließ für die Machbarkeit in finanzieller Hinsicht nicht viel Gutes erahnen…

An dieser Stelle halfen einmal mehr Zufall und etwas Glück weiter.

Im Urlaub mit meiner Familie hatten wir einen Tischlermeister und dessen Familie kennengelernt. In einer email berichtete ich ihm von meinem Problem, fügte ein paar Fotos an und bat ihn um seinen fachlichen Rat, “… ob denn mit diesem Uhrengehäuse überhaupt noch irgend etwas zu machen wäre?…“ Die Antwort vom Fachmann kam schnell: „Na klar läßt sich da etwas machen!“ und obendrein bekam ich das Angebot, diese Arbeit als Hilfeleistung nach dem Hochwasser für den Verein der Parkeisenbahn Peißnitzexpress Halle (Saale) zu übernehmen. Das war weitaus mehr, als ich zunächst erhofft hatte, und wenig später konnte ich das arg lädierte Uhrengehäuse wieder ins Auto verladen und in der Tischlerei Falko Hecker in Pankow abliefern.

Nach einigen Wochen bekam ich einen Anruf, daß ich nach Pankow kommen könne, mir das fertiggestellte Uhrengehäuse abzuholen. Ich war ziemlich beeindruckt: das Uhrengehäuse sah so gut wie neu aus, trotzdem konnten so viel wie möglich der originalen massiven Holzteile – also historischer Substanz – weiter verwendet werden.

Das Uhrengehäuse – alt neben neu [Foto: M.Schmidt]

An dieser Stelle möchte ich Herrn Falko Hecker und seinem Team der Tischlerei auch im Namen aller Kollegen der Parkeisenbahn Halle (Saale) noch einmal herzlichen Dank für die uneigennützige Hilfe sagen.

Letzte Station bei der Restauration der Uhr war das Ziffernblatt. Die sichtbare silberne Oberfläche war durch oberflächliche Korrosion unansehnlich und rauh, die Stunden- und Minutenmarken unleserlich geworden.

Ziffernblatt nach dem Hochwasser [Foto: M.Schmidt]

Zunächst wurde das Ziffernblatt im vorhandenen Zustand gescannt, um eine digitale Vorlage zum Restaurieren zu schaffen. Am Computer wurden die Stunden, Minuten- und Sekundenmarkierungen digital wiederhergestellt sowie alle Fehlerstellen entfernt. Damit war zunächst eine digitale Druckvorlage erstellt.

Für die weitere Bearbeitung konnte ich auf die bewährte Mithilfe der Grafik-Ausbildungswerkstatt „digiprintworker“ des TJP e.V. zurückgreifen.

Um die metallische Oberfläche authentisch wirken zu lassen, griffen wir auf eine silberne bedruckbare selbstklebende Folie zurück, die dem originalen Erscheinungsbild des Ziffernblattes erstaunlich nahe kommt. Allerdings war die Oberfläche des alten Ziffernblattes durch Korrosion rauh geworden, die Klebefolie ließ sich nicht glatt aufkleben. Um die historische Substanz trotzdem weitestgehend erhalten zu können, bekam das alte Ziffernblatt eine Auflage durch eine 0,5 mm starke glatte Kunststoffplatte, die kreisrund in die Lünette eingesetzt wurde. Darauf wurde dann die silberne Folie mit dem aufgedruckten Ziffernblatt blasenfrei aufgeklebt. Optisch kommt die Oberfläche dem Original jetzt sehr nahe und die geringfügig größere Dicke fällt nicht ins Auge.

Das Beschaffen der passenden Folie, das Drucken und Aufkleben wurden dankenswerterweise vom Ausbildungsprojekt „digiprintworker“ des TJP e.V. übernommen, die uns u.a. auch schon bei anderen Restaurationsprojekten an Ziffernblättern von Bahnhofsuhren mit fachlichem Rat, interessanten Ideen und handwerklich perfekter Umsetzung geholfen hatten.

Uhr und Ziffernblatt nach der Aufarbeitung [Foto: M.Schmidt]

Jetzt hatte das Uhrwerk wieder „ein Gesicht“, und nachdem alles endgültig zusammengebaut war, wurde die Uhr zunächst in Berlin einem ersten Testlauf unterzogen. Dazu wurde die Hauptuhr in der Fernmeldewerkstatt Wuhlheide installiert. Zufällig hatten wir zu dieser Zeit auch eine Nebenuhr des gleichen Herstellers C. Bohmeyer KG Halle Saale aus einem Schrottcontainer(!) retten können, die etwa 1 Jahr später als die Hauptuhr geliefert wurde. Diese Nebenuhr wurde kurzerhand als Kontrolluhr an die Hauptuhr angeschaltet, und konnte damit auch gleich auf ihre Funktion geprüft werden.

Ein solches Ensemble aus Haupt- und Nebenuhr des gleichen Herstellers Bohmeyer aus Halle/S. ist heute wohl eher selten anzutreffen, und soll deshalb hier auch mit einem Foto gewürdigt werden.

Haupt- und Nebenuhr der Fa. Bohmeyer im Testbetrieb [Foto: M.Schmidt]
Fabrikschilder von Haupt- und Nebenuhr [Foto: M.Schmidt]

Beim Testlauf in Berlin konnte das Pendel bereits soweit justiert werden, daß die Uhr mit nur noch wenigen Sekunden Abweichung pro Tag funktionierte, und Ende Mai 2015 war es dann soweit: die restaurierte Hauptuhr konnte wieder an ihrem angestammten Platz im Bf. Peißnitzbrücke der PE Halle (Saale) installiert und in Betrieb genommen werden.

Zurück im Bf. Peißnitzbrücke [Foto: M.Schmidt]

Im Moment hat die Hauptuhr selbst keine Nebenuhren mehr anzusteuern, dennnoch funktioniert sie wieder zuverlässig und bereichert die Ausstattung des Bf. Peißnitzbrücke zur Freude der Besucher und Kollegen der Parkeisenbahn Halle (Saale).

Kabelreparatur in der Wuhlheide – April 2015

„Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ – nach diesem Sprichwort kam es vor einigen Tagen zu einem interessanten außerplanmäßigen Arbeitseinsatz der AG Fernmeldetechnik.

Für die Verlegung eines neuen Erdkabels zur Stromversorgung mußte ein Kabelgraben ausgehoben werden. Bereits lange vorher wurden die Arbeiten geplant und alle vorhandenen Zeichnungen auf bekannte bereits im Erdboden verlegte Kabel und Leitungswege überprüft. Bis etwa 1979 verlief in diesem Bereich eine Strecke der Berliner Pioniereisenbahn. Steine und allerlei alte Teile der Streckenausrüstung wurden vor vielen Jahren hier beim Rückbau in der Erde vergraben. Sie sorgten beim Schachten für allerlei böse Überraschungen und setzten beim Anheben ungeplante Kräfte an Stellen frei, wo es keiner erwartet hatte. Und so passierte trotz guter Vorbereitung der Erdarbeiten das Malheur – kurz vor dem Ziel des Kabelgrabens wurde ein dünnes Fernmeldekabel Opfer dieser in der Erde schlummernden „Schätze“. Nun war guter Rat teuer.

Das zertrennte Kabel
Das zertrennte Kabel

Es war Sonntag,  der Haltepunkt „Haus Natur und Umwelt“ war per Streckenfernsprecher nicht mehr erreichbar und auch die Bahnhofsuhr blieb auf Uhrzeit 12:10 Uhr stehen.

Zum Glück waren die Fernmeldetechniker Stefan und Christian in der Wuhlheide unterwegs, um einige Störungen auf den Bahnhöfen der Parkeisenbahn zu reparieren. Ganz unerwartet kam nun eine  neue dringende Aufgabe dazu.

Zunächst wurden die Enden des beschädigten Kabels provisorisch gesichert, um mögliche Störungen durch Kurzschlüsse am abgerissenen Kabelende zu vermeiden. Anschließend wurde entschieden, das recht dünne Kabel gleich zu spleißen und anschließend provisorisch mit mehren Lagen Isolier- und Dichtband gegen eindringende Feuchtigkeit zu sichern. Diese Arbeiten waren bis zum frühen Abend erledigt und gegen 18 Uhr konnte die Fernsprechverbindung und die Bahnsteiguhr wieder in Betrieb genommen werden.

Der Spleiß wird provisorisch gesichert
Der Spleiß wird provisorisch gesichert

 

Knapp eine Woche später erfolgte dann die endgültige Reparatur des Kabels durch Anbringen einer Wärmeschrumpfmuffe. Auch wenn die Fernmeldetechnik bei der Parkeisenbahn aus oftmals historischen Geräten besteht – hier wurden moderne Materialien verarbeitet, wie sie heuzutage auch bei Kabelarbeiten in den Netzen von Energieversorgern, Bahn oder Telekommunikationsanbietern verwendet werden.

Die wasserdichte und mechanische belastbare Reparatur wird durch eine sogenannte Wärmeschrumpfmuffe realisiert. Diese Muffe besteht aus einer dicken biegsamen Kunststoffplatte, die mit einem Schmelzklebstoff beschichtet ist. Die Muffe wird um die Verbindungsstelle der gerissenen Kabelenden (Spleiß) herumgelegt und die Enden durch eine Edelstahlschiene fest miteinander verbunden. Die Muffe umschließt das Kabel und die Spleißstelle nun wie eine Röhre. Zuvor wurde über dem Spleiß noch eine Wärmeschutzmanschette angebracht.

Spleiß mit Wärmeschutzmantel
Spleiß mit Wärmeschutzmantel

 

Erwärmen der Muffe mit dem Gasbrenner
Erwärmen der Muffe mit dem Gasbrenner

Anschließend wird die Muffe mit der Heißluftpistole oder einem kleinen Gasbrenner auf ca. 150 °C erwärmt. Dabei zieht sich das Material der Muffe zusammen und umschließt letztendlich den Kabelspleiß und das Kabel fest. Der Heißkleber schmilzt bei der Prozedur und sorgt durch Verklebung für eine sichere Abdichtung der Muffe nach außen.

Eine Reparaturmuffe wird aufgeschrumpft(1)
Eine Reparaturmuffe wird aufgeschrumpft(1)
Eine Reparaturmuffe wird geschrumpft(2)
Eine Reparaturmuffe wird geschrumpft(2)

 

Beim Vorgang des Erwärmens und Schrumpfens verschwinden die grünen Punkte auf der Oberfläche der Schrumpfmuffe allmählich und zeigen so dem Monteur an, das die Muffe eine ausreichende Temperatur angenommen hat.

Der Schrumpfprozess ist beendet - abkühlen
Der Schrumpfprozess ist beendet – abkühlen lassen

 

Nachdem die Muffe abgekühlt war, wurde das reparierte Kabel in der Erde sicher verlegt und der Kabelgraben verfüllt.

Inzwischen erinnert nur noch die frisch geharkte Erde an diesen Arbeitseinsatz der AG Fernmeldetechnik.

Muffenbau Wp7alt (34)

Die AG Fernmeldetechnik

Wer wir sind und was wir machen

Was wäre eine Eisenbahn ohne informative Ansagen der Aufsicht aus dem Bahnsteiglautsprecher, ohne einen Richtungsanzeiger, der den Fahrgästen die Ziele der Züge ankündigt oder ohne die große Bahnhofsuhr, deren Zeiger elektrisch ferngesteuert von Minute zu Minute springen? Doch auch ohne eine Vielzahl von Fernsprechverbindungen und anderen Kommunikationsmitteln ist ein Bahnbetrieb nicht denkbar.Genauso wie beim großen Vorbild werden Sie solche Kommunikationsanlagen auch bei unserer Parkeisenbahn finden. Damit die Technik stets zur Zufriedenheit funktioniert, bedarf es fachkundiger Pflege und Wartung. Erschwerend wirkt an dieser Stelle, dass die Kommunikationsanlagen – genau wie unsere Fahrzeuge – oftmals ein beträchtliches Alter aufweisen.
Wandkasten OB
Herz eines Befehlsfernsprechers
Grundlegende Ausbildung

Geschichte

Mit der Gründung der AG Fernmeldetechnik im Jahre 1989 wurde erstmals auch Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geschaffen, an der Instandsetzung der Fernmeldeanlagen der kleinen Bahn mitzuwirken und den Kollegen der großen Bahn bei ihrer Arbeit zu helfen. Gezielt Nachwuchs für den Bereich der Sicherungs- und Telekommunikationstechnik der damaligen Deutschen Reichsbahn zu gewinnen, war für diese Entscheidung sicherlich ausschlaggebend. Vorbild dafür war die „technische Brigade“ im Bahnbetriebswerk. Ältere Parkeisenbahner mit entsprechendem Interesse konnten sich in dieser Gruppe schon lange auf das Fachgebiet Wagen- und Lokomotivtechnik spezialisieren.
Nun aber stand technisch interessierten Parkeisenbahnern ab 12 Jahren auch der Dienst als Fernmeldemechaniker bei der BPE offen.

Aufarbeitung eines Fahrtrichtungsanzeiger für den Bahnhof Badesee
Aufarbeitung eines Fahrtrichtungsanzeiger für den Bahnhof Badesee

Ausbildung

Heute wie damals ist die AG Fernmeldetechnik fest integrierter Bestandteil der Jugendarbeit der Berliner Parkeisenbahn . Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die bereits erste Kenntnisse im Bahnbetrieb bei der BPE erworben haben und ihre technischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Kommunikationsanlagen der Bahn vertiefen möchten.

In der Ausbildung werden in mehreren Abschnitten die Grundlagen der Elektrotechnik und Elektronik behandelt sowie die Funktionsweise von Telefonen, elektrischen Uhrenanlagen und anderer bei der Parkeisenbahn installierter Fernmeldetechnik erläutert. An den überwiegend historischen Geräten lässt sich die Wirkungsweise physikalischer Gesetze anschaulich erläutern.

Neben der notwendigen Theorie kommt natürlich die Praxis dabei nicht zu kurz. Das Löten will ebenso gelernt sein wie der richtige Umgang mit Messgeräten und Handwerkszeug. Zum Abschluss jedes Ausbildungsabschnittes muss eine kleine Prüfung absolviert werden, in der die Schüler ihr Wissen unter Beweis stellen können. Danach geht es mit großem Eifer an die Arbeit.

F-AG_Uhr
Instandsetztung von 4 Aussenuhren
Die Parkeisenbahner sind nun kleine Fachleute und dürfen entsprechend ihrer Befähigung als Fernmeldemechaniker der BPE unter Anleitung des AG-Leiters ausgewählte Reparaturen an Telefonen, Bahnhofsuhren und Lautsprecheranlagen ausführen. Die Jugendlichen werden damit unmittelbar an der Pflege und Instandhaltung der Anlagen ihrer kleinen Bahn beteiligt und erleben so anschaulich, wieviel Arbeit die Unterhaltung der Technik erfordert. Dabei soll auch das Gefühl der Verantwortung für „unsere Bahn“ gefördert werden.Ihren Mitschülern haben die jungen Fernmeldemechaniker viel technisches Wissen und handwerkliche Fähigkeiten voraus. Nicht selten wird durch die Tätigkeit bei der BPE der Wunsch nach einem Beruf bei der Bahn oder in der IT- und Elektrobranche geweckt.Interessant ist für uns auch immer wieder die Beschäftigung mit der Geschichte der Fernmeldetechnik. Dazu haben wir eine umfangreiche Sammlung alter Gerätschaften der Fernmeldetechnik der Eisenbahn angelegt und konnten so einige interessante Zeitzeugen vor der unweigerlichen Verschrottung bewahren. Einige Geräte, die auch nicht mehr direkt im Betrieb der BPE eingesetzt werden können, möchten wir zukünftig im Rahmen einer kleinen Ausstellung unserem interessierten Publikum zugänglich machen.

 

 

Finde-Fix 2011 oder Kabelortung mit einfachen Mitteln

03022012624

Während meiner ehrenamtlichen Arbeit im Bereich der Fernmeldetechnik für Park- und Museumsbahnen stellte sich oft die Aufgabe, die genaue Lage in der Erde verlegter Kabel festzustellen. Nicht selten fehlen aussagekräftige und aktuelle Planunterlagen für die Vorbereitung von Baumaßnahmen. Eine direkte Ortung der Lage der in der Erde verlegten Kabel vermeidet aufwändige Reparaturen, wenn diese Kabel unbeabsichtigt bei Erdarbeiten beschädigt werden.

Den heutigen Eigentümer der Parkeisenbahn Vatterode und seine Bemühungen um die Sanierung dieser kleinen Parkeisenbahn durfte ich im gleichen Zusammenhang kennenlernen. Auch an dieser Bahnstrecke ist ein Streckenfernmeldekabel verlegt, dessen Lage entlang der Strecke nicht annähernd bekannt war. Es war auch beim probeweisen Schachten quer zur Strecke bislang nicht gefunden worden. Eine funktionierende Streckenfernsprechverbindung über dieses Kabel ist aber auch hier eines der vielen Probleme, die für eine erneute Inbetriebnahme der Parkeisenbahn Vatterode gelöst werden müssen.

Außerdem wurde ich von Kollegen der Historischen Feldbahn in der Herrenleite um Rat gefragt. Auch hier soll ein bisher ungenutztes altes Kabel möglicherweise wieder für die Nutzung hergerichtet werden. Allerdings ist die genaue Lage und der Zustand dieses Kabels bisher unbekannt.

Aus meiner Lehrzeit war mir das Verfahren der elektrischen Kabelortung in Ansätzen bekannt. Dabei wurde ein nach meiner Erinnerung „Ortex“ genanntes Gerät vom Kabelbautrupp zur Trassensuche bei der Reparatur von Fernmeldekabeln verwendet.

Natürlich gibt es heute für diesen Zweck professionelle Ortungsgeräte, die die Trasse und auch die Verlegetiefe unterirdisch verlegter Kabel sehr genau ermitteln können. Entsprechende Geräte kosten aber viel Geld; eine solche Investition schied für die zu lösenden Aufgaben im Bereich von Park- und Museumsbahnen aus.

Dennoch wollte ich dieses Verfahren mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für die Arbeit in der Fernmeldetechnik bei Park- und Museumsbahnen nutzbar machen.

Beim Stöbern im Internet stieß ich auf eine Internetseite mit einer Beschreibung für den Selbstbau eines einfachen Kabelortungsgerätes. Diese Beschreibung war durch einen Funkamateur verfasst worden, er wollte – so wie ich auch – die Trasse eines alten Fernmeldekabels im Gelände mit einfachen Mitteln feststellen.. Die Idee und die vorgeschlagene Lösung waren mir willkommene Anregung für ein eigenes Projekt. An dieser Stelle möchte ich dem Autor S.Barth (DG0MG) noch einmal für die Veröffentlichung seiner Lösung danken!

Die Bauanleitung beinhaltete eine einfache Schaltung, die mit wenigen Bauteilen auskommt.

Diese Schaltung passte ich auf die Materialien an, die mir gerade zur Verfügung standen und vorhanden waren. Bis auf wenige Bauelemente konnte auf altbrauchbares Material aus der Bastelkiste und dem Elektronikschrott zurückgegriffen werden. Die Materialkosten für den Selbstbau der Schaltung beschränkten sich damit auf wenige EUR.

Sender und Empfänger zur Kabelortung sowie Zubehö
Sender und Empfänger zur Kabelortung sowie Zubehör

Nach einem ersten Aufbau der Schaltung wollte ich zunächst praktische Erfahrungen sammeln, um die Praxistauglichkeit festzustellen. Die ersten Tests fanden ausgehend vom Hauptbahnhof der Berliner Parkeisenbahn in der Wuhlheide statt. Die noch provisorisch aufgebaute Schaltung zeigte ein deutlich wahrnehmbares Signal auf einer bekannten Kabeltrasse parallel zur Gleisachse. Das beschriebene Minimum in der Lautstärke des Prüfsignals direkt über dem Kabel konnte schon gut nachgewiesen werden. Der provisorische Aufbau war allerdings fehleranfällig und der Auf- und Abbau zu umständlich.

Deshalb wurden Details der Schaltung noch einmal überarbeitet und die Platine anschließend in ein Gehäuse eingebaut. Zum Anschluß von Betriebsspannung und Ausgangssignal wurden Apparateklemmen montiert. Es fand sich außerdem ein gut erhaltener verzinkter Erdspieß mit Anschlußklemme aus alten NVA-Beständen für eine sichere und effektive Erdung.

Fallblattanzeiger russischer Bauart
Fallblattanzeiger russischer Bauart

Die beste Suchspule ergab letztlich der Elektromagnet eines alten russischen Rundrelais, welches in seinem ersten Leben in einem alten Fallblattanzeiger russischer Bauart tätig gewesen war. Ein Teleskop-Besenstiel aus Alu dient als Griff. Als Verstärker für den Kopfhörer kommt ein hochwertiger alter Walkman zum Einsatz, dessen Equalizer störendes Netzbrummen etwas vermindert.

Nachdem die Schaltung fest ins Gehäuse eingebaut war, fanden weitere Tests mit den Geräten im Bereich des Stellwerkes und Bahnhofs Freilichtbühne bei der BPE statt. Die Signale zur Ortung waren sehr gut wahrnehmbar und bekannte Kabeltrassen wurden eindeutig geortet. Danach wurde die Ortung auf unbekannte Trassen ausgeweitet, auch hier ließen sich verlegte Kabel gut orten, solange die netzfrequenten Störfelder nicht zu stark wirken.

CIMG7712a
Finde-Fix 2011 Sender im Einsatz bei der PE Vatterode

Den nächsten Praxistest in unbekanntem Gelände mußte das selbstgebaute Kabelortungsgerät dann im Einsatz bei der Parkeisenbahn Vatterode im März 2012 bestehen.

Die alten Endverschlüsse des Kabels zu finden, war nicht schwer. Im Bahnhof „Wippergrund“ wurde der Sender an das erste Aderpaar angeschlossen und eine Erdleitung ins Freie verlegt. Anschließend konnte das Abenteuer beginnen.

Nach wenigen Metern konnte ich mit der Suchspule die Signale des Senders orten und es zeigte sich ein deutlich wahrnehmbares Minimum in der Lautstärke, das auf den Verlauf des Kabels in der Erde hindeutete. So konnte ich die Lage des Kabels über mehr als 1 km entlang der Strecke bis zum Bahnhof „Mansfeld Schleife“ verfolgen.

Der Autor bei der Kabelortung
Der Autor bei der Kabelortung

 

Wenige Meter vor dem Bahnhof verlor sich dann das Signal ziemlich abrupt, ein Hinweis auf die Stelle, wo das Kabel vermutlich schon vor vielen Jahren beschädigt und getrennt wurde.

Von der relativen Genauigkeit dieser Ortung konnte ich mich selbst einige Zeit später überzeugen, als ich begann, ein Stück des Kabels für Messungen freizuschachten.

Diesmal fand ich das Kabel in der Erde auf Anhieb. Die Kabelortung zeigte die Lage mit nur wenigen cm Abweichung an und auch die Tiefenortung stimmte in der Größenordnung.

Das freigelegte Kabel bei der Isolationsmessung
Das freigelegte Kabel bei der Isolationsmessung

Die Ergebnisse der Isolationsmessung am Kabel zerschlugen dann allerdings die Hoffnung auf eine schnelle Wiederherstellung der Streckenfernsprechverbindung. Das Kabel erwies sich als „hoffnungslos abgesoffen“, der Isolationswiderstand zwischen den papierisolierten Adern betrug nur noch wenige Kiloohm, weil im Verlauf der Strecke Feuchtigkeit in das Innere des Kabels eingedrungen ist.

Trotzdem war es der Anfang einer sehr interessanten und lehrreichen Elektronikbastelei und es entstand ein für unsere Zwecke praxistaugliches Gerät für die Ortung unterirdisch verlegter Kabel.

Vielen Dank übrigens an Björn Garten (PE Vatterode), er gab dem elektronischen „Kind“ einen Namen: „Finde-Fix 2011“ :-)

Physikalische Grundlagen

Zur Ortung eines unterirdisch verlegten Kabels muss das Kabel in der Erde „sichtbar“ gemacht werden. Der Trick besteht darin, rings um das gesuchte Kabel herum ein Magnetfeld zu erzeugen, das ausgewertet werden kann. Damit das Magnetfeld gut erfasst werden kann, wird eine hörbare Frequenz verwendet. Das Magnetfeld kann mit einer Suchspule geortet, entsprechend verstärkt und dann über Kopfhörer akustisch ausgewertet werden. Diese Lösung ist zwar nicht so komfortabel wie bei heutigen professionellen Geräten, die mit Mikroprozessorschaltungen eine digitale Anzeige realisieren, dafür ist der Aufwand gering. Unsere (Ur-)Großväter standen schließlich schon vor ähnlichen Aufgaben und mussten diese auch ohne Mikroprozessor und Digitaltechnik lösen. Diesem Prinzip, ganz im Sinne historischer Fernmeldetechnik, fühlte ich mich bei diesem Projekt ebenfalls verpflichtet. :-)

Um ein Magnetfeld zu erzeugen, das man verfolgen kann, muss in den Adern des Kabels ein Stromfluß erzeugt werden. Dessen Magnetfeld soll hier nicht vom Feld des in der benachbarten Ader in gleicher Höhe zurück fließenden Stromes neutralisiert werden. Der Effekt des gegenseitigen Aufhebens der Felder ist ja im normalen Betrieb des Fernmeldekabels durchaus erwünscht (Schutz vor Übersprechen) und wird durch die Verseilung der Aderpaare begünstigt. Deswegen werden zum Zweck der Ortung nur eine oder zwei Adern auf einer Seite des Kabels angeschlossen.

Wie kommt es aber dazu, dass in einer einzelnen angeschlossenen Ader ein Stromfluß zustande kommt? Strom braucht bekanntlich stets einen geschlossenen Stromkreis, damit er fließen kann. Daran ändert sich auch an dieser Stelle nichts.

Um diesen Strom fließen zu lassen, wird die Kapazität zwischen den Adern und dem das Kabel umgebenden Erdreich ausgenutzt. Diese Kapazität kann man sich als eine Reihe entlang der Leitungsader parallel geschalteter Kondensatoren vorstellen. Ein Kondensator besteht zum Beispiel aus 2 Metallplatten, die sich in Luft in geringem Abstand isoliert gegenüber stehen. Die Form ist dabei völlig egal, so dass der Draht gegenüber dem das Kabel umgebenden Erdreich (elektrisch leitend) eine Anordnung bildet, die durchaus einen Kondensator darstellt.

Stromfluß Einzelader gegen Erde
Stromfluß Einzelader gegen Erde

Eine angelegte Geichspannung würde diese Kapazität nur einmal aufladen, danach könnte kein Strom mehr fließen. Dieser Effekt ist bei der Messung an offenen Aderpaaren mit dem Prüfschrank PS50 jedem alten Fernmelder geläufig und gut erkennbar: Misst man mit dem Ohmmeter des Prüfschrankes in eine längere Leitung ohne angeschlossenem Telefonapparat hinein, so passiert folgendes: eine Gleichspannung wird angelegt; Zeiger am Ohmmeter schlägt kurz aus (Stromfluß), und geht dann auf 0 (=Widerstand unendlich) zurück, weil die Leiter ja voneinander isoliert sind (oder sein sollten). Früher sagte man dazu: „Die Leitung ist „lang offen“.

Dadurch, dass der Prüfgenerator jedoch eine Wechselspannung liefert, kann ein Wechselstrom durch diese Kondensatoren zur Erde abfließen. Sie werden bei jeder Halbwelle des Wechselstromes umgeladen und dadurch fließt ständig ein Strom. Die Erde dient dabei als Rückleiter, deshalb muss der eine Pol des Prüfgenerators gut geerdet werden. Damit schließt sich der Stromkreis. Damit über die vielen parallel geschalteten Kondensatoren ein ausreichend hoher Strom fließen kann, wird eine recht hohe Spannung angelegt.

Der in der Ader fließende schwache Strom erzeugt ein magnetisches Wechselfeld, das sich in konzentrischen Kreisen rund um das Kabel in der Erde und in den über dem Kabel liegenden Raum ausbreitet. Als Sensor zum Orten verwenden wir eine Suchspule mit mehreren 1000 Windungen, in der das magnetische Wechselfeld des gesuchten Kabels eine geringe Tonspannung erzeugt (Induktion). Dieser Ton muss nun noch verstärkt werden, um mit einem Kopfhörer abgehört zu werden.

Zur Ortung gibt es 2 Möglichkeiten, die Suchspule gegenüber dem gesuchten Kabel zu halten. Wenn die Suchspule waagerecht gehalten wird, erzeugen die magnetischen Feldlininen genau oberhalb des Kabels die größte Induktion, das ergibt eine maximale Lautstärke genau über dem Kabel. Dieses Maximum in der Lautstärke ist allerdings nicht so genau ausgeprägt.

Wenn die Suchspule gegenüber der Erdoberfläche senkrecht gehalten wird, ergibt sich genau senkrecht oberhalb des Kabels ein Minimum in der Lautstärke, dass sehr genau ausgeprägt ist und sich zum Orten mit Hilfe eines Kopfhörers viel besser eignet.

Prinzip Kabelortung
Prinzip Kabelortung

Dieses Minimum entsteht dadurch, dass die Feldlinien genau oberhalb des Kabels etwa parallel zur Erdoberfläche verlaufen. So wird die Windungsebene der Spulenwindungen (auch waagerecht zur Erdoberfläche gehalten) kaum geschnitten, es kann keine oder sehr wenig Induktion in die Spule erfolgen (Ton leise). Sobald man sich mit der Spule vom Kabel entfernt, weicht die Richtung der Feldlinien von der Waagerechten ab, die Spulenwindungen werden stärker geschnitten und die Lautstärke steigt wieder an.

Tiefenortung

Neben der Lage der Kabeltrasse kann man mit dieser Methode mittels eines kleinen Tricks auch die ungefähre Verlegetiefe des gesuchten Kabels bestimmen.

Dazu wird die Suchspule bei der Ortung nicht senkrecht sondern unter einem Winkel von ca. 45° gegenüber der Erdoberfläche geneigt gehalten. Das Minimum in der Ortung tritt nun in einem bestimmten Abstand neben der zunächst mit senkrechter Suchspule georteten Kabeltrasse auf.

Dabei entspricht dieser Abstand in etwas der Verlegetiefe des gesuchten Kabels. Zur Erklärung soll die folgende Skizze helfen:

Prinzip Tiefenortung
Prinzip Tiefenortung

Wenn die Spule in einem Winkel von exakt 45° gehalten wird, ergibt sich geometrisch ein gleichschenkliges Dreieck unterhalb der Erdoberfläche. Wenn die beiden Katheten des Dreieckes mit a und b bezeichnet werden, gilt für die Schenkellängen der Katheten a=b. Damit entspricht der Abstand des mit geneigter Spule gefundenen Minimums zur Kabeltrasse in etwa dem Abstand des Kabels von der Erdoberfläche (Verlegetiefe).